Südafrika – Teil 2: Deutsche “Late Movers“ müssen mit Erfahrung, Innovation und einem Track Rekord punkten

In der vergangenen Woche gab uns Jens Hauser, Manager Sustainable Energy, Southern Africa – German Chamber of Commerce and Industry PNC, eine Einschätzung der aktuellen Situation des südafrikanischen Photovoltaikmarktes. Erfahren Sie jetzt mehr über Chancen und Risiken für deutsche Unternehmen vor Ort.

Solardirekt: „Herr Hauser, welche Perspektiven sehen Sie für deutsche Unternehmen im südafrikanischen Photovoltaik-Markt? Welche Segmente sind für deutsche Unternehmen besonders interessant?“

Jens Hauser: „Wie beschrieben, ist der südafrikanische PV-Markt durch eine Vielzahl von Anbietern geprägt. Dadurch ist die Konkurrenzsituation hoch. Unternehmen, die nun noch in den Markt einsteigen sind eher als “Late Movers” zu erachten. Diese Firmen sollten spezifische Leistungen anbieten, mit einem Alleinstellungsmerkmal, um am Markt erfolgreich zu sein. Deutsche EE-Firmen die bereits länger in Südafrika aktiv sind, haben sich mit ihren Niederlassungen bereits gute Marktpositionen erarbeiten können. Für deutsche Unternehmen ist eindeutig das gewerbliche Marktsegment – Anlagen zur Eigenversorgung (Embedded Generation) bis 1 MW - der interessanteste Bereich.“

Solardirekt: „Womit können deutsche Unternehmen dann noch vor Ort punkten?“

Jens Hauser: „Deutsche Firmen können immer noch erfolgreich in den wachsenden Markt einsteigen, wenn die Firmen über einen großen Erfahrungsschatz und einen „Track Record“ verfügen und innovative Lösungen, Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Dazu gehören zum Beispiel Energy Services und Betreibermodelle, wie „Build–operate–transfer“ (BOT), „Build–own–operate“ (BOO) oder „Build–lease–transfer“ (BLT). Auch Vertriebsmodelle, wie zum Beispiel die Lieferung von standardisierten Komplettsystemen mit wählbarer Systemgröße, Lösungen zur Eigenverbrauchsoptimierung und zum Lastmanagement, kundenspezifische Nutzungskonzepte für EE-Strom (Sektorenkopplung) oder die Einbringung von im PV-Sektor etablierten Marken (Brand Power) und erfolgreichen Projektportfolios bieten vielversprechende Marktchancen.“

Solardirekt: „Ist „Made in Germany“ auch in Südafrika ein Qualitätssiegel?“

Jens Hauser: „Definitiv. Deutschland ist ein etablierter Handelspartner Südafrikas. Deutsche Firmen nehmen hier bereits die führende Position als Lieferanten für Anlagentechnik und Maschinen ein. Der deutsche Wissensvorsprung im Bereich der erneuerbaren Energien ist den südafrikanischen Unternehmen bewusst und deutsche Technologie wird im Land aufgrund der hohen Qualität geschätzt. Daher ist die Ausgangslage für deutsche Firmen generell positiv, erfolgreich am wachsenden Markt für erneuerbare Energien zu partizipieren.“

Solardirekt: „Was müssen deutsche Unternehmen beim Markteintritt vor Ort beachten? Was sind typische do’s und dont’s?“

Jens Hauser: „Die Organisation der Wirtschaft ist an die anglophonen Länder angelehnt. Dennoch empfehlen wir, dass beim Markteintritt professionelle Hilfe in Fragen zur Firmenregistrierung oder zu Aufenthaltsgenehmigungen von Mitarbeitern ersucht wird, um den Prozess nicht unnötig zu verlängern. Zahlreiche Agenturen, Dienstleister und Kanzleien – die deutsches und südafrikanisches Recht praktizieren – stehen dafür zur Auswahl. Auch muss beim Markteintritt, aufgrund der Konkurrenzsituation, eine gewisse Anlaufphase eingeplant werden. Bei der Auswahl von Partnern ist auf ein gutes Netzwerk und einen unzweifelhaften Track Record im Bereich EE zu achten, da im Markt nach wie vor auch viel unqualifizierte Akteure tätig sind.“

Solardirekt: „Inwieweit unterstützt die AHK vor Ort deutsche PV-Unternehmen?“

Jens Hauser: „Als Durchführer der Initiative „Energy Solutions made in Germany“ des Bundesministeriums für Wirtschaft & Energie unterstützt die AHK deutsche EE-Unternehmen mit den Instrumenten der Initiative (http://www.germanenergysolutions.de/GES/Navigation/DE/Home/home.html). Darüber hinaus dient das Kompetenzzentrum Erneuerbare Energie der AHK als Informations- und Beratungsplattform für EE-Unternehmen. Mittels der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energie und der Deutsch-Südafrikanischen Energiepartnerschaft wird konkret an Verbesserungen für den Sektor gearbeitet. Firmen, die am Markteinstieg interessiert sind, können zudem individuelle, kostenpflichtige Dienstleistungen der AHK in Anspruch nehmen, wie zum Beispiel die Vermittlung von Geschäftspartnern.“

Solardirekt: „Was ist neben oder nach der Photvoltaik ein weiterer wachsender Bereich der erneuerbaren Energien in Südafrika, der für deutsche Unternehmen interessant sein könnte?“

Jens Hauser: „Biogas hat an Fahrt aufgenommen und wird sich in den nächsten Jahren etablieren, da die Technologie sich eignet, der wachsenden Problematik der Abfallbehandlung entgegen zu treten. Durch den Einsatz von Biogas zur Reduzierung von organischen Abfällen in Mülldeponien, ergeben sich interessante und wirtschaftlich attraktive Projekte in Kommunen und Unternehmen. Auch das Thema industrielle Prozesswärme mittels Solarthermie wird hier langsam wahrgenommen.“